Langfristig wird sich - bedingt durch den gesellschaftlich-kulturellen Wandel - auch die Schullandschaft deutlich verändern. Spätestens durch die Anregung des Digitalpaktes gibt es eine deutlich bessere digitale Infrastruktur an den Schulen und verstärkt Angebote zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Neben theoretischen Grundlagen wie dem modernen 4K-Konzept sollen hier auch praxisnahe Anregungen aufgeführt werden.

Viele der dargestellten Informationen beruhen auf der tollen Keynote von Dejan Mihajlović vom 28.01.2021 (Tag 8 der "Mobile Schule digital"-Fortbildungsreihe). Diese 45-minütige Übersicht zu Digitalität und Schule ist noch on demand abrufbar und fasst anschaulich die wichtigsten aktuellen Ansätze zusammen.

Unter distanzunterricht stehen Informationen zum konkreten Fall des Unterrichts auf Distanz.

Für den Einsatz von (Lern-)Spielen im Unterricht gibt es Anregungen unter gamification.


Theoretische Grundlagen

Paradigmenwechsel und das veränderte Leitmedium

    Die menschliche Gesellschaft hat mit der Zeit verschiedene Leitmedien entwickelt.
  1. Oralität: mündliche Überlieferungen
  2. Skriptografie: (hand)schriftliche Überlieferungen
  3. Typografie: Printmedien
  4. Digitalität: multimediale Kommunikation
Dabei sollte deutlich werden, dass ältere Medien durchaus noch verwendet werden und weiterhin sehr präsent sind. Wir reden noch miteinander und wir schreiben durchaus noch Informationen auf oder drucken sie aus. Wir befinden uns derzeit noch im Übergang von den schriftlichen zu den digitalen Medien, doch die Transformation ist klar erkennbar. Der gesellschaftlich-kulturelle Wandel der hiervon in Gang gebracht wird, bedeutet, dass viele zuvor essenzielle Faktoren wie Ort und Zeit für eine Kommunikation (bzw. Informationsaustausch) nicht mehr entscheidend sind. Mit der Digitalisierung hat sich bereits die Arbeits- und Lebenswelt entscheidend verändert. Immer mehr Bereiche sind virtuell und global strukturiert. Die Globalisierung hat dafür gesorgt, dass die Welt immer stärker vernetzt wird - was nicht zuletzt in der Covid-Pandemie deutlich sichtbar geworden ist. Die Perspektiven weiten sich also in vielen Bereichen zu einer globalen, multiperspektivischen Sichtweise aus. Das ist auch für Schule wichtig, denn es berechtigt Schüler/innen umso mehr, ihre Perspektive einzubringen. Im Zeitalter digitaler Medien ist Wissen schnell überholt, daher müssen Flexibilität und Adaptibilität als Kompetenzen vermittelt werden. Ereignisse werden zunehmend komplexer und schnelllebiger, aber der Wandel bietet auch große Chancen: Es ist eine gute Gelegenheit, modernen Unterricht zu nutzen um demokratische Prozesse auch im Klassenraum zu leben.


Das Umdenken von Unterricht
Die reformpädagogische Idee des offenen Unterrichts wird logisch ins digitale Zeitalter fortgeführt. Die Schüler/innen sollen echte, komplexe Probleme lösen und diese sowohl lokal als auch global betrachten. Damit sollen die Lernenden und ihr "Lernnetzwerk" im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Die Lernenden werden deutlich aktiver und haben ein authentisches Interesse sich mit den Themen zu beschäftigen. Gleichzeitig wandelt sich die Rolle der Lehrkräfte, die selbst verstärkt lernen bzw. sich fortbilden müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dabei kann der Wechsel zwischen der Rolle des Lernens und des Lehrens fließend oder sogar parallel sein. Wichtig ist, dass ergebnisoffen, interdisziplinär und systemisch gearbeitet wird. Dadurch wird das Netzwerken im Bildungsbereich auch für Schüler/innen zentral. Dies geht einher mit einer selbstbestimmten und selbstorganisierten Unterrichtsform.
Es ist daher nicht damit getan, den bisherigen Unterricht möglichst in digitale Medien zu transformieren - Unterricht an sich muss grundlegend verändert werden, um den heutigen Anforderungen an eine mündige Partizipation gerecht zu werden. Das braucht mehr Freiraum und Vertrauen sowie einen Verzicht auf die zuvor übliche Kontrolle seitens der Lehrkräfte. Umso mehr können alle Beteiligten von den Chancen der Digitalität profitieren.

Im Rahmen der "Initiative Digitale Bildung" der Bundesregierung hat dies auch Bundeskanzlerin Angela Merkel prägnant formuliert.

Dejan Mihajlović postuliert auf seinem Blog eine schulische Teilhabe an der Kultur der Digitalität und gibt ausführliche Anregungen dazu, warum ein digitaler Wandel von Unterricht für eine Partizipation an der heutigen Gesellschaft unerlässlich ist.


Neue Prüfungskultur
Konsequent umgesetzt muss sich auch die Prüfungskultur den aktuellen Bedingungen anpassen.

Selbst in öffentlichen Kommunikationsräumen wie den Tageszeitungen liest man immer öfter die Frage, warum Schüler/innen in einem abgeschlossenen Raum isoliert unter Zeitdruck und ohne (digitale) Recherchemöglichkeiten Antworten auf Papier schreiben sollen. Zumal dies maßgeblich zur Bildung der Zeugnisnote ausgewertet wird. Dabei hat das mit der Lebenswirklichkeit im späteren Beruf nichts zu tun und scheint überholt. Hier steht der Wunsch nach Überprüfbarkeit und Vergleichbarkeit über anderen wichtigen Kriterien. Allen voran bilden die zentralen Abschlussprüfungen und das Zentral-Abitur Paradebeispiele für die traditionell-konservative Leistungsüberprüfung mit möglichst hoher Standardisierung für eine länderübergreifende Qualitätssicherung.

Doch es geht auch anders. Damit ein Umdenken gerade auf institutioneller Ebene stattfinden kann, sind immer deutlichere Appelle zu hören bzw. lesen. Im akademischen Raum wurde schon vor einigen Jahren angeregt, statt einer punktuellen und statischen Prüfung (Kursarbeit) besser eine vielseitige, dynamische und langfristige Leistungsmessung (bspw. Portfolio) zu nutzen, da diese den echten Leistungen der Lernenden deutlicher entsprechen. Nur langsam haben diese Optionen Einzug in den Schulen erhalten - es darf inzwischen pro Schuljahr eine der Überprüfungen an den weiterführenden Schulen in NRW durch eine solche Ersatzleistung erbracht werden. Dies ist in manchen Fällen wie dem Fremdsprachenunterricht bereits durch (verpflichtende) mündliche Prüfungen in bestimmten Jahrgängen umgesetzt worden - auch wenn dies ebenfalls eher einer Kursarbeit gleicht als einer dynamischen Leistungsmessung. In den übrigen Fächern und Jahrgängen kann entsprechend beispielsweise ein Lesetagebuch (zur Deutsch-Lektüre) die schriftliche Prüfung ersetzen. Insbesondere in Phasen mit langem Distanzunterricht ist dies eine attraktive Möglichkeit.

Das Institut für zeitgemäße Prüfungskultur beschäftigt sich intensiv mit möglichen strukturellen Veränderungen unserer Prüfungskultur.
Als Anregung für jetzt schon umsetzbare Möglichkeiten gibt es eine PowerPoint-Präsentation mit den wichtigsten Rahmenbedingungen und Gründen für offenere Formate.

Einen umfassenden Ausblick auf zukünftig adaptierbare Prüfungsformate gibt Schulleiter Oliver Schmitz auf Medium in Kollaboration mit Ricarda Dreier, Axel Krommer und Björn Nolte.

Übersichtlich und ansprechend ist Catrin Ingerfelds padlet zum Thema.



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